Interview mit Gitarrist Sorath von THORNGOTH
by Boris W.
Thorngoth nennt sich die aufstrebende Black Metal-Band aus Bad Tölz, welche mit der ersten Demo-CD "Sigillum" (komplett downloadbar unter mp3.de/home/Thorngoth) einen sehr positiven Eindruck hinterlassen konnte. Roher Black Metal, zuweilen mit finsteren Melodien unterlegt, der eine kraftvolle Atmosphäre aufbaut, dafür stehen Thorngoth. Ein Gespräch mit einem der beiden Bandgründer bot sich also mehr als an. Herausgekommen ist ein sehr interessantes und lesenswerter Dialog, der verdeutlicht, dass Thorngoth wissen, was sie wollen.
Taste Of Black: Zuallererst, erzähl mir doch kurz etwas über die Entstehung und die Geschichte von Thorngoth, und welche Bedeutung hat der Bandname?
Sorath: Angefangen hat alles Dezember 2002, als
ich Grond (Drums) kennen lernte und beschloss, mit ihm Musik zu machen. Bei den
ersten Proben jammten wir nur, ohne Songs zu schreiben. Nach ca. einem Monat
begannen wir mit dem Songwriting. Ungefähr zum selben Zeitpunkt stieß Corpse
(Bass) zur Band. Damals suchte wir auch einen zweiten Gitarristen, konnten aber
keinen geeigneten finden. Im Mai 2003 haben wir mit Akhorahil einen geeigneten Sänger
und Frontmann gefunden. Diverse Proberaumprobleme behinderten den Fortschritt
der Band. Es war uns nicht möglich, effektiv Songs zu schreiben, geschweige denn
für einen Live-Auftritt zu proben, bis wir schließlich November 2004 unser
eigenes „Reich“ hatten, in dem wir ungestört Musik machen konnten. Zudem
fanden wir in Nephesus, dem Mastermind des Solo-Projektes Lost Life, einen fähigen
Live-Gitarristen, der perfekt zu Thorngoth passt. Da wir nun nicht mehr durch äußere
Einflüsse aufgehalten wurden, konnten wir endlich die Arbeit an den Songs
abschließen. Der Zeitpunkt war gekommen, unsere musikalischen Ergüsse
aufzunehmen. Das geschah zwischen April und Mai 2005. Schlagzeug, Bass und
Gesang wurden jeweils an einem Tag aufgenommen, für die Gitarrenspuren hab ich
mir ein bisschen Zeit gelassen. Die Demo-CD wurde dann im August 2005 veröffentlicht.
Der Name Thorngoth besteht aus Elementen der Eldar-Sprache und bedeutet so viel
wie „der gehörnte Feind“. Man könnte Thorngoth auch aus dem Englischen in
„Dornenbarbar“ bzw. „Dornengote“ übersetzten, das war jedoch nie unsere
Intention und ist deswegen auch nicht relevant.
Sorath: Sigillum steht für
eine Sigille (ein magisches Zeichen). Sigillenmagie wird praktiziert, um sich
persönliche Wünsche zu erfüllen. Im Mittelalter wurden dafür komplizierte
Zeichen verwendet, ein solches Zeichen ist auf dem Frontcover von „Sigillum“
zu sehen.
Es steckt kein wirkliches Konzept dahinter, jeder Song steht für sich und hat
seine Handlung, die Texte ähneln sich nur in der Thematik.
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| Nephesus, Akhorahil, Grond & Sorath | Nephesus & Akhorahil |
Taste Of Black: Wie zufrieden seid ihr selbst mit der Demo-CD?
Sorath: Allein von der Musik her voll und ganz, sonst hätten wir die Songs erst gar nicht aufnehmen brauchen. Was wir selber zu bemängeln haben ist die Druckqualität des Covers, die viel zu pixlig ausgefallen ist. Außerdem hätten die Bassdrum und die Bassgitarre besser klingen können, was auf Missverständnisse bzw. zu schlechter Vorbereitung bei den Aufnahmen zurückzuführen ist.
Taste Of Black: Stand es für Thorngoth jemals zur Diskussion, Keyboards zu verwenden?
Sorath: Die Musik von Thorngoth ist eindeutig gitarrenlastig, ständig eingesetzte Keyboards wären bei unserem rohen Sound fehl am Platz. Keyboards werden bei Thorngoth nie als tragendes Instrument benutzt werden, es wird auch nie einen Live-Keyboarder geben. Synthesizer werden auch in Zukunft wie bei auf „Sigillum“ nur als Untermalung im Hintergrund, sozusagen als zusätzliche Unterstützung, benutzt. Es sei denn es handelt sich um ein Instrumental, so wie bei dem Intro „Horns Out From The Deep“.
Sorath: Man kann nur bedingt von Einflüssen reden, da ich schon immer versucht habe, eigene Ideen hervorzubringen. Es kann natürlich sein, dass ich unbewusst von meinen favorisierten Bands, die da Emperor, Marduk und Satyricon wären, beeinflusst worden bin. Wenn die Musik von Thorngoth den eben genannte Bands ähneln sollte, liegt es meiner Meinung nach auch daran, dass ich ein ähnliches Verständnis für Musik wie die Songwriter dieser Bands habe.
Taste Of Black: Wie muss man sich bei euch die Entstehung und Entwicklung eines Songs vorstellen?
Sorath: Ich nehme alle eigenen Songideen zu Hause auf, ebenso die Ideen von Akhorahil. Ich hab sozusagen ein Songideenarchiv. Ich füge einzelne Parts zusammen oder entwickle sie weiter, je nachdem ob die Parts zusammenpassen oder eine Idee für sich weitergeführt werden sollte. Nach dem ein Song vom Ablauf grob geplant ist wird er im Proberaum mit dem Schlagzeug arrangiert. Zu guter Letzt wird der Gesang eingeplant.
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| Sorath & Akhorahil | Corpse & Nephesus |
Taste Of Black: Gibt es eine Art Anführer oder Chef in der Band oder funktionieren Thorngoth vollkommen demokratisch?
Sorath: Einen Anführer in dem Sinn gibt es eigentlich nicht, eher eine eingeschränkte Demokratie. Ich und Akhorahil sind die Denker und Lenker, Grond und Corpse haben ein Mitspracherecht.
Taste Of Black: Was bedeutet Dir Thorngoth ganz persönlich?
Sorath: Ich bin mit Grond der Gründer von Thorngoth und sehe Thorngoth als MEINE Band, mit der ich die Musik mache, die mir gefällt. In der Musik von Thorngoth steckt mein Herzblut.
Taste Of Black: Was macht Black Metal zu Black Metal? Und welcher
ist deiner Meinung nach der zentrale Aspekt des Black Metal?
Sorath: Dazu gibt es sehr
unterschiedliche Meinungen. Für einige ist Black Metal heutzutage tot, da die
heutigen Bands nicht mehr den Spirit der alten Norweger haben. Andere wiederum sagen, Black Metal lebt weiter. Auch spielt es für manche eine Rolle, ob eine
Band „true“ ist oder im Verruf steht „sell-out“ zu sein. Für mich persönlich
zählt nur die Musik.
Black Metal definiert sich durch den
Kreischgesang, den typischen Inhalt der Texte und der Ideologie allgemein
(Okkultismus, Misanthropie, Mythologie usw...). Im Vergleich zum Death Metal
beinhaltet Black Metal im Allgemeinen viel Melodie, auch wenn sie für nicht
Black Metal - Hörende kaum erkennbar ist. Auch das Auftreten der Bands macht
Black Metal aus. Black Metal steht für eine gewisse Abgrenzung zur
„normalen“ Gesellschaft, die in ihren Moralvorstellung und Verhaltensweisen
feststeckt. Einige Black Metaller drücken diese Abgrenzung auch mit dem
Elitedenken aus.
Der zentrale Aspekt im Black Metal ist für
mich, Emotionen auszudrücken und eine düstere Atmosphäre zu schaffen. Außerdem
ist mir Individualismus wichtig.
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| Sigillum Review |
Taste Of Black: Wie bist du zum Black Metal gekommen und was fasziniert dich daran so besonders?
Sorath: Ich denke, ich bin durch Sampler diverser Metal-Magazine auf Black Metal gestoßen, und die Musik sprach mich auch gleich an. Black Metal ist die Musikrichtung, die mein Gemüt widerspiegelt, diese Musik verschafft mir eine innere Ruhe, andererseits bewegt sie mich auch. Black Metal ist auch eine Art Ablassventil, mit dem man seine ganze Wut herauslassen kann. Momentan kann ich mir nicht vorstellen, je ohne Black Metal zu leben.
Taste Of Black: Wie sieht die Szene in Bad Tölz aus, wo ihr herkommt? Gibt es überhaupt eine funktionierende (Black) Metal-Szene?
Sorath: Die Szene ist eher klein und überschaubar, man kennt sich untereinander. Für eine oberbayrische Kleinstadt ist die Größe der Szene doch beachtlich, würde ich sagen. Neben Thorngoth gibt es in Bad Tölz noch 2 andere Black Metal Bands, das Solo-Projekt Lost Life, bei dem ich und Grond als Live-Musiker mitwirken, und Amystery, die aus Mitgliedern der aufgelösten Band Profane Existence besteht.
Taste Of Black: Wie sieht es an der Live-Front aus? Vergangenes, die Zukunft...
Sorath: Bis jetzt hatten wir
4 Auftritte, die ersten 3 verliefen erfolgreich für uns. Beim letzten Gig, der
für Thorngoth eher durchwachsen lief, spielten wir zusammen mit Vargsang,
Infestus und Lost Life. Thorngoth
spielten als letzte Band nach Vargsang, viele Leute hatten schon genug, weil sie
schon zu müde und/oder zu betrunken waren. Die Verbliebenen haben wir aber überzeugen
können.
In nächster Zeit sind keine weiteren Gigs geplant. Vielleicht ergibt sich
spontan etwas.
Taste Of Black: Wann darf man neues Material von Thorngoth erwarten?
Sorath: Schon bald! Wir sind momentan dabei, die restlichen Lieder für die nächste CD zu schreiben. Die CD, die ich wieder selber produzieren werde, wird dann schätzungsweise im Februar aufgenommen werden. Bei dieser Veröffentlichung wird es sich nicht um ein Demo, sondern um ein Full-Time-Album handeln. Falls kein Label daran Interesse haben sollte, werden wir die CD selber vervielfältigen. Das neue Material klingt anders und unserer Meinung nach besser als das von der Demo-CD „Sigillum“. Denjenigen, denen „Sigillum“ zugesagt hat, werden von der neuen CD begeistert sein. Man darf also gespannt sein!
Sorath: Vielen Dank für das Interview! An alle kämpfenden Bands da draußen: auch wenn euch immer wieder Steine in den Weg gelegt werden, macht mit der Musik weiter, wenn sie euch wirklich am Herzen liegt, egal was kommt.