Punish/ Atritas/ Nordafrost/ Pyracantha

3.12.2005, Zug, Industrie 45

"Winternachtssturm 2" ist angesagt. Und neben Atritas sind vor allem die Deutschen Nordafrost, die feinerweise einmal die Schweiz beehren (wenn mich nicht alles täuscht sogar zum ersten Mal) ein Grund, nach Zug zu pilgern. Mit an Bord sind die Veranstalter Pyracantha sowie die lokalen Punish. Einem gelungenen Abend steht nichts mehr im Weg.
In der Industrie angekommen, wird erst einmal (ungewollt) der Backstageraum gestürmt, Svartis von Nordafrost sowie Atritas begrüsst und ein Bier abgestaubt. Allerdings gibt's hier nur eine lauwarme Plörre der Marke Pilsner Urtrüb. Igitt. Nix wie weg hier. Und zwar vor die Bühne...

... wo sich bereits eine stattliche Anzahl Leute versammelt hat, um die eröffnenden Pyracantha nach allen Regeln der Kunst abzufeiern. Offenbar ist die Band hier ziemlich bekannt, denn jeder Song wird ordentlich bejubelt und bebrüllt - ein Vergnügen, dass Pyracantha als einzige Band des Abends inne haben sollten. Die noch junge Band zeigt sich bestens eingespielt, bangt fleissig, und die Mischung aus Black Metal, Pagan Metal und Death Metal kommt bestens an, man merkt auch, dass hier keine Anfänger am Werk sind. Sänger Gabriel untermalt seine teilweise deutschen Texte mit ausschweifender Gestik, kommt hin und wieder aber eher nett rüber. Dafür legt sich die Saitenfraktion ins Zeugs, und Songs wie das pathetische "Der Letzte Krieg" oder "1315", mit kraftvollen Melodien (eine davon bei Todtgelichter geklaut) und einer kämpferischen Ausstrahlung, verfehlen ihre Wirkung nicht. Dummerweise wird ein nicht unbeträchtlicher Teil des heutigen Publikums von der Kiddie-Fraktion gestellt: Durchschnittsalter 13-15, Rucksäcke, Dimmu Borgir-Shirts und lächerliche Schminke im Gesicht. Die haben bei Pyracantha nichts besseres im Sinn, als zu pogen, bzw. das zu veranstalten, was sie darunter verstehen, nach dem Motto: "Hui, schubs mich, aber bitte nicht zu fest!" Peinlich, dümmlich und überflüssig. Am Klasse-Auftritt von Pyracantha ändert dies selbstredend nichts. Ich bin mal gespannt, wie die Band auf Konserve tönt. Jedenfalls sind sich auch die anwesenden Musiker einig, dass Pyracantha rundum überzeugt haben.

Kleine Bemerkung am Rade: Bassist Demonic von Nordafrost berichtete mir am Ende des Abends ziemlich amüsiert, dass er etwa fünf Mal auf dem Klo war, und jedes Mal standen die Kiddies vor dem Spiegel und diskutierten, wessen Schminke besser aussieht. Mal ganz im Ernst: Braucht ein Metal-Konzert solche Weichbirnen? Ich glaube nicht. Toleranz hin oder her, diese Spacken gehören schlicht und einfach nach Hause.

Dann ist es Zeit für Nordafrost. Nach einem aufpeitschenden Intro geht's endlich los, und "Frozen Paths" gibt die Devise das Abends gleich durch: Frostiger, simpler, vorwärtspreschender Black Metal der alten Schule mit Reminiszenzen an Immortal und Konsorten. Knaller wie das hasserfüllte "Autumn's Armageddon" oder das besinnlich beginnende "The Hall Of The Pagan Martyrs" halten sich die Waage mit schleppenderem Material wie "Dominus Frigoris" oder "Defence". Nordafrost kommen wie immer sehr sympathisch rüber, Svartis der Berserker an Gesang und Gitarre, unablässig posend und bangend, Bassist Demonic immer etwas abwesend wirkend, dafür hochkonzentriert bei der Sache, und Schlagwerker Sno präzise wie ein Metronom. Das Publikum zeigt sich allerdings von der ignorantesten Seite und spendet allenfalls Höflichkeitsapplaus, was angesichts der Leistung und des Engagements von Nordafrost eine Frechheit ist. Da kommen die Deutschen extra in die Schweiz und dann sowas. Nicht gerade die feine eidgenössische Art. Nordafrost scheint das nicht im Geringsten zu stören, das Trio prügelt sich bestens gelaunt und motiviert durch sein Set. Man muss auch noch anmerken, dass der Sound nach anfänglichen Problemen sehr ausgeglichen ist und das räudige Schwarzmetall von Nordafrost bestens in Szene setzt. Das schlaffe Publikum allerdings regt sich nicht einmal, als zum Ende hin das Immortal-Cover "Blashyrk" rausgehauen wird. Daumen nach oben für Nordafrost, Daumen nach unten für die Zuschauer, die diesem Namen heute wirklich gerecht werden.

Setlist Nordafrost
Intro
Frozen Pahts
Lyn Og Torden
Dominus Frigoris
Assault
Nocturno Culto
Defence
The Hall Of The Pagan Martyrs
Autum's Armageddon
Dungeons
Apocalyptic
Blashyrk (Immortal-Cover)

Bei Atritas füllt sich die Industrie dann, und die Basler haben das mengemässig stärkste Publikum des Abends. An den schwachen Reaktionen ändert dies hingegen nix, zwar verlässt kaum einer seinen Platz, aber zum Applaudieren ist auch keiner so richtig motiviert. Dafür bangen immerhin die ersten zwei Reihen durch. Nachdem ich mit Bassist P.Magick noch einen Deal ausgemacht habe (fliegende Haare gegen fehlerfreies Spielen), eröffnet "My Mortal Flesh" in gewohnter Manier das Konzert. Der Sound drückt von Anfang an (auf der Bühne allerdings scheinbar weniger, immer wieder wird gen Mischpult gestikuliert), und Atritas präsentieren sich um einiges tighter als am Battle Of Metal im Z7, wo sich der eine oder andere Fehler eingeschlichen hatte. Es wird immer wieder deutlich, was Atritas an Ausstrahlung anderen Bands voraus haben, wenn die Gitarristen Swart und Baal Seite an Seite posen, Frontmann Gier mit wilder Mimik die Leute zum Mitmachen auffordert (heute Abend allerdings grösstenteils wirkungslos) oder Bassist P.Magick entschlossen seinen Basshals Richtung Publikum streckt. Trotzdem kommt das Ganze heute irgendwie nicht so genial rüber wie auch schon, was vor allem auf das wie erwähnt grösstenteils regungslose Publikum zurückzuführen ist. Allerdings: Melodischen Black Metal-Perlen wie dem ausgefeilten "Earthbound Suicide" (dürfte ein Highlight auf der kommenden Platte werden), dem Keyboard-orientierten "Black Sunday" oder dem mit einer Vielzahl an geilen Gitarrenläufen veredelten und einem bombastischen Riff beginnenden "Lunar Psychosis" kann man sich als Fan gar nicht entziehen. Ork prügelt etwas heftig auf sein Schlagzeug ein, dass mehrmals beinahe vom Podest runterfällt, was allerdings eher an dem dämlichen Teppich darunter liegen dürfte. Und einmal fliegen dem Schlagmeister auch noch die Stöcke aus der Hand... Fein auch immer, wenn Gier (bestens bei Stimme, verpasst zwar einmal seinen Einsatz, dafür sitzen die hohen Schreie vor allem in "Thou Shalt Suffer" absolut sattelfest), Baal und Swart gemeinsam den Propeller anwerfen, sieht einfach sehr Metal aus. Der mystische, abwechslungsreiche Titeltrack der aktuellen Scheibe "Where Witches Burnt" beendet das Set, und grandioserweise wird nach einer Zugabe verlangt, die in Form von "Das Tier" gewährt wird. Nach wie vor einer der absolut besten Songs des Sextett, das zu Recht mit einer Neuaufnahme gewürdigt wird. Ein starker Auftritt, allerdings mit einem komischen Beigeschmack, was allerdings nicht an Atritas liegt. Wohl eher an der Stimmung des Rezensenten und den äusseren Einflüssen.

Setlist Atritas
Evil Calling (Intro)
My Mortal Flesh
Earthbound Suicide
Black Sunday
Lunar Psychosis
Thou Shalt Suffer
Black Dominion Era
Where Witches Burnt
Das Tier

Dann liegt es an Punish, den Reigen zu beenden. Das Quintett hat allerdings mit starkem Abgang der Leute zu kämpfen, vor der Bühne stehen noch höchstens dreissig Leute. Das hindert die Band aber nicht daran, mächtig Dampf zu machen, vor allem die beiden Gitarristen (die beinahe den ganzen Abend Backstage Soli geübt haben) präsentieren sich von der allerbesten Seite und setzen ihr Können geschickt ein. Deftiger Death/ Thrash Metal mit inferior gebrülltem Gesang ist angesagt, und Punish fahren den verdienten Applaus ein. Blöderweise muss ich nach drei Songs die Segel streichen, weil's am nächsten Morgen um sechs Uhr rausgeht...
Ein feiner Konzert-Abend, allerdings mit einem etwas komischen Publikum, sowohl von der Zusammensetzung als auch von der Begeisterungsfähigkeit her.