INFESTUS/ LOST LIFE "Split" (2006)
|
|
1. Will To Devotion |
| 2. De Profundis Ego Te Advoco | |
| 3. The Chalice Of Damnation | |
| 4. In Darkness You Shall Follow | |
| 5. In Rust | |
| 6. Lost In Eternity | |
| 7. My Last Breath | |
| 8. Path Of Pain | |
| 9. Downfall |
(48:18/ Fullmoon Funeral Productions)
Der deutsche Untergrund lebt! Unter dem Banner des Labels
Fullmoon Funeral Productions blasen die beiden Formationen Infestus und Lost
Life zum Angriff. Infestus haben sich der schwarzen Tonkunst nordischer Prägung
verschrieben, und zwar mit Leib und Seele. Damit nun kein falscher Eindruck
entsteht: Nein, Infestus sind mitnichten ein Plagiat, ganz im Gegenteil,
gängige und bekannte Elemente werden neu zusammengefügt und ergeben ein
eigenständiges Ganzes mit Wiedererkennungswert. Dies zeigt sich vor allem in
Dagons heiserem, mit Vehemenz herausgekreischtem Gesang, dessen Basis genau auf
den Punkt gebracht wird: "Gepriesen sei der Menschenhass!" Die vier
allesamt überlangen Nummern glänzen durch präzises, klirrend kaltes Riffing,
eine schroffe Produktion, die jedoch für den Ausdruck der Misanthropie zwingend
nötig ist und bei der positiverweise auch der Bass immer anwesend ist, und
einem Sammelsurium an klassischen Melodien beziehungsweise Gitarrenläufen, die
einem Song den nötigen Charakter verleihen. Die meiste Zeit wird aufs Gaspedal
getreten, gelegentlich allerdings auch die eine oder andere Verschnaufpause
eingeschoben. Paradebeispiel hierfür ist die Klasse-Nummer "The Chalice Of
Damnation", die das gesamte Spektrum von Infestus abdeckt. Obwohl die
Wurzeln des Trios klar erkennbar sind, lassen sich doch schwerlich Vergleiche
ziehen, Graven und Corpus Christii erscheinen mir am passendsten. Somit bleibt
nur meine Empfehlung, Infestus anzuhören und in misanthropisch-nihilistischer
Verzückung zu schwelgen. Vertonter Hass, ein vertontes "Fuck Off!",
das aus dem Dunst durchschnittlicher Black Metal-Veröffentlichungen herausragt.
Noch eine ganze Ecke minimalistischer geht's beim Ein-Mann-Projekt Lost Life zu.
Wie schon der Name impliziert, ist die musikalische Ausrichtung auch eher
melancholisch, depressive, hoffnungslos, suizidal, sägende Gitarren, die Wunden
reissen, eine zutiefst verbitterte Krächzstimme und eine bösartig-angepisste
Atmosphäre ziehen sich durch die fünf Songs. So geht's auch mal
gemächlich zu und her, und in "Lost In Eternity" scheinen deutliche
Shining-Einflüsse durch, vor allem zu Beginn. Was Lost Life ausmacht, ist eine
Art Verletzlichkeit, die zu jeder Sekunde spürbar ist und welche die Emotionen
erkennbar verkörpert. Bei beiden Bands empfiehlt es sich übrigens, die Texte
zu lesen, gehen sie doch Hand in Hand mit der Musik und sind viel mehr als
blosses Beiwerk. Zurück zu Lost Life: Höhepunkt - besser wäre eigentlich
angesichts der Musik Tiefpunkt - ist der vorletzte Song "Path Of Pain",
der durch einen diffusen, zwielichtigen Akustik-Part eingeleitet wird, ehe die
pure Raserei ausbricht. Grossartig! Über allen Songs von Lost Life schwebt eine
Düsterheit, die mit Worten nur schwer zu beschreiben ist. Lebensunlustige
Menschen werden voll auf ihre Kosten kommen. Auch hier gilt: Unbedingt ein Ohr
leihen, viel falsch kann man nicht machen.
Line-Up Infestus: Dagon (Gesang), Harbarth (Gitarre), Andras (Bass,
Schlagzeug)
Line-Up Lost Life: Nephesus (alles)
8,6/ 10
8,7/ 10