Glorior Belli, Horned Almighty & Absentia Lunae
28.2.2011, Birsfelden
Einem freien Tourtag sowie dem Engagement einiger lokaler Szeneverbundener ist es zu verdanken, dass der Tross, der unter dem Banner In Gloria Solis Atri in Europa unterwegsist, auch einen ungeplanten Zwischenstopp in der Nähe von Basel einlegt. Gerade der Umstand, dass aufgrund der kurzen Zeitspanne zwischen Feststehung und tatsächlichem Stattfinden des Konzertes nur wenige Leute informiert werden können plus die Tatsache, dass der Gig in undergroundiger Atmosphäre in einem grosszügig bemessenen Proberaum stattfinden soll, tragen zum speziellen Flair des Anlasses bei und bescheren allen Anwesenden einen in mehrerer Hinsicht denkwürdigen Abend.
Zum Auftakt blasen die Italiener von Absentia Lunae zum Sturmangriff. Militant einheitlich in Hemden und Gasmasken gewandt und flankiert von einem schicken Banner, nutzt das Triester Quintett die halbe Stunde, um ihr zwischen extremer Raserei und mächtigem, erhabenem gedrosseltem Tempo pendelndes Material bei unerwartet guten Soundverhältnissen nach einem ausladend langen Intro zu präsentieren. Die sichtliche Hingabe aller Mitglieder und insbesondere das aggressive Stageacing von Frontmann Ildanach, welcher auch bei Tenebrae In Perpetuum aktiv war, übertragen sich rasch auf die Anwesenden, die den Italienern ihren Respekt zollen. Der heimliche Star hockt aber (sessionmässig) hinter dem Drumkit: Mit gerade mal 21 Jahren prügelt und groovt sich der Bursche namens Blastphemer, der auch schon bei Belphegor aushalf, in ultrapräziser, arschtighter Manier durch Blasts und Doublebasses an der obersten Grenze, dazu offenbart er ein feines Gespür für kluge, abwechslungsreiche Fills und Breaks während langsameren Abschnitten, so dass unweigerlich ein wenig Musikerkollegenneid aufkommt. Man frage mich bitte nicht nach Songtiteln, der hasserfüllte, zuweilen klinische und mit garstigem Gekeife versehene Black Metal entfacht jedenfalls seine Wirkung, und Band und Zuschauer zeigen sich im Anschluss gleichermassen zufrieden.
Eine ganz andere Baustelle sind die Dänen von Horned Almighty: Kippe angezündet, Instrumente eingestöpselt, „Einszweidreivier!“ angezählt und voll auf die 12 losgehämmert. Hier stecken ganz viel Punk, ganz viel Rotz, etwas Crust und ganz viel ursprüngliche Energie dahinter. Nicht nur Neueres von „Necro Spirituals“ wird ins dankbare Auditorium geschleudert, auch ältere Schoten vom famosen „Contaminating The Divine“, welches nach dem Konzert eingetütet wird, kommen zu Zug. Brüllwürfel S. stachelt das Publikum permanent an, wahlweise zum Mitgehen oder aber zum mehr Trinken. Der cool posende Basser Hellpig und sein Pendant Aries an der Sechssaitigen verlassen sich im Zweifelsfall auf Durchschlagskraft anstelle von ausgefeilter Technik, diese wäre hier aber auch absolut unangebracht gewesen, der massive, dreckige, ungehobelte Black Metal der Dänen braucht eine gewisse Räudigkeit, um authentisch zu wirken. Neben dickem Geprügel gibt’s auch ein paar fies-zähflüssige Momente, die das böllernde Gebräu enorm aufwerten. Auch hier gilt: Daumen hoch, und auch Horned Almighty zeigen sich angetan von den Reaktionen wie auch von der Stimmung im Bunker.
Da The One nicht spielen (ein paar Tage später mussten sie aus persönlichen Gründen den Rest der Tour komplett absagen), hat nun bereits die Stunde von Glorior Belli geschlagen. Zweifellos eine der Bands, die selbst aus den Reihen der starken, inspirierten französischen Szene herausstechen. Die Überraschung vorneweg: Mastermind J., der für Gesang und Gitarre verantwortlich zeichnet, ist ein extrem klein gewachsener Mann, in dessen Händen die Gitarre direkt übergross aussieht. Fehlende Körpergrösse wird mit enormem Charisma und einer ergreifenden, obskuren Ausstrahlung mehr als wettgemacht, sein Gesicht ist dank Kapuze und schwarzem Tuch komplett verhüllt. Musikalisch gibt’s nur das Allerfeinste, sowohl teilweise bluesig angehauchte Grosstaten vom aktuellen Werk „Meet Vs At The Sovthern Sign“ wie „There Is But One Light“, das Instrumental „In Every Grief-Stricken Blues“ und „Nox Illuminatio Mea“ als auch Fantastisches vom Vorgänger wie „Manifesting The Raging Beast“ oder das göttliche „Said Lucifer In Twilight“, welches mit brutalen Melodien tief unter die Haut geht, wie generell der ausdrucksstarke, eigenständige Gesang mit einigen Ausflügen in klare Gefilde. Schwarzmetallische Gewalt paart sich mit musikalischer Brillanz, J. zur Seite stehen u.a. Bassist Alex (Razor Of Occam, The One) sowie Drummer Gionata Potenti, der in etwa einem Dutzend weiterer Bands und Projekte aktiv ist und für einen spontanen Lachanfall bei sämtlichen Glorior Belli-Mitgliedern sorgt, als er während eines Songs in einer kurzen Zwischensequenz die am Drumkit angebrachte Cowbell einsetzt. Ich mag mich wiederholen, aber das intime Ambiente macht den Gig umso spezieller. Nach etwa einer Stunde ist alles vorbei. Dank geht an dieser Stelle an die Organisatoren für ihren Einsatz sowie selbstredend an die Bands, die sich für diesen gelungenen Abend zur Verfügung gestellt haben und sich nicht zu schade waren, für ein paar Handvoll Anwesender die volle Leistung zu geben.