GHOST KOMMANDO im Gespräch
Nach dem Split der im Untergrund sehr geschätzten Forgotten Chaos sind waren die meisten einzelnen Mitglieder bis dato in verschiedenen Bands und Projekten wie Moonfrost, Excruciation, Leere und Cold White Empire aktiv. Nun melden sich zwei der Verbliebenen, Kommandant Karnov und Reverend Void, mit Ghost Kommando lautstark an der Front zurück und präsentieren dieser Tage das bisherige Schaffen "The Burden Of Supremacy" und "The Rise Of Perception", ergänzt um eine bisher unveröffentlichte Nummer, auf CD gepresst (Review siehe weiter unten). Nachfolgend das Gespräch mit den Kommandant Karnov, in dem auch die Vergangenheit mit Forgotten Chaos angesprochen wird.
Salut Kommandant Karnov! Zunächst einmal freut es mich, dass Du und Reverend Void wieder aktiv seid und soeben ein feines Stück derben, extremen Metals auf CD gepresst habt. Entstanden Ghost Kommando unmittelbar nach dem Split von Forgotten Chaos, oder hattet ihr erst mal die Schnauze voll und brauchtet Abstand?
Hallo Boris, das Vergnügen ist ganz auf unserer Seite! Da uns der Split von Forgotten Chaos im Frühling 2008 relativ unerwartet traf, waren wir uns eigentlich bereits nach wenigen Tagen einig, dass wir weiterhin zusammen Musik machen werden, unter welchen Umständen auch immer. Während des Sommers 2008 waren wir ja als bereits aufgelöste Band immer noch mit den „Golden Rules of the Underground“ beschäftigt, welche ja dann im September veröffentlicht wurden. In dieser Zeit entwarfen wir das Konzept für unsere neue Band, der Name Ghost Kommando entstand bereits im Juni.
Ghost Kommando, so scheint es mir, sind noch eine Spur derber, extremer, obskurer und teilweise auch punkiger als Forgotten Chaos. Worin liegt die Inspiration für Ghost Kommando, und was wollt Ihr musikalisch und textlich ausdrücken? Und wie muss der Bandname verstanden werden?
Die Inspiration ist eigentlich dieselbe wie immer. Natürlich hatten wir in den letzten zehn Jahren in den jeweiligen Bands immer wieder andere Präferenzen, doch schlussendlich machen wir einfach das, was aus uns herauskommt. Da der kreative Input nun auf zwei Personen beschränkt ist, kamen automatisch die Einflüsse zum Zug, welche in den vorherigen Konstellationen weniger populär waren. Die Interpretation des Bandnamens wie auch der Texte überlassen wir jedem selber.
Wie funktioniert bei Euch der Prozess des Songwritings? Bist Du alleine dafür verantwortlich und Reverend Void ergänzt die Stücke mit seinem Gesang, oder erarbeitet Ihr alles im Teamwork?
Es läuft eigentlich immer so ab, dass ich Riffs entwickle und dann die Drumbeats arrangiere. Parallel dazu schreibt Reverend Void diverse Texte, ob nun für Ghost Kommando oder seinen privaten Gebrauch. Dabei herrscht stetiger Austausch zwischen uns, welches Songgerüst zu welchem Text passen würde. Da wir aber ein sehr eingespieltes Team sind und genau wissen, was uns gefällt, ist diese Arbeitsweise recht effektiv.
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Angesprochen auf den in den Ghost Kommando-Songs teilweise eingesetzten eigenwilligen, aber gelungenen Klargesang von Reverend Void lässt Karnov Folgendes verlauten:
Reverend Void verwendet seit langer Zeit bei seinen eigenen Projekten cleanen Gesang, da lag es auf der Hand, dieses Stilmittel auch bei Ghost Kommando zu integrieren. Wir geben uns allgemein mehr Freiheiten als früher und denken, dass seine klare Stimme den Test definitiv bestanden hat!
Über seinen Namen möchte er hingegen nicht zuviel preisgeben.
Karnov ist ein Pseudonym, dessen Herkunft nostalgischer Natur ist und mit meiner Arcade-Leidenschaft zu tun hat. Mehr will ich nicht verraten.
Plant Ihr mit Ghost Kommando auch Konzerte oder findet das Projekt in erster Linie im Studio statt?
In unserer momentanen Besetzung ist dies nicht wirklich ein Thema, obwohl wir die Möglichkeit eines Konzerts auch schon in Betracht gezogen haben. Ich persönlich würde gerne wieder auf einer Bühne stehen, nichts ist unmöglich.
Auf Eurem MySpace-Profil habt Ihr bereits das erste komplette Album „Paramount“ angekündigt. Wird dies den eingeschlagenen Kurs weiter verfolgen oder dürfen wir einige Soundspielereien im Stile des neuen Songs „Folterkammer“ erwarten?
„Folterkammer“ ist kein neuer Song, sondern vielmehr der erste überhaupt, welcher nach dem Split von Forgotten Chaos entstanden ist. Ich denke nicht, dass ich einen derartigen Track nochmals wiederholen könnte. Dass wir jedoch mit einem alten Synthesizer herumexperimentieren werden, ist geplant. Aber auf keinen Fall würden solche Stücke die Mehrheit auf „Paramount“ ausmachen, wir bleiben unserem Stil definitiv treu.
Das Medium CD ist bereits auf dem absteigenden Ast, Vinyl gibt es im Prinzip nur noch für Liebhaber, für eine eingefleischte Gruppe von Sammlern. Die ersten beiden Veröffentlichungen von Ghost Kommando erschienen dagegen als Tape. Wie wichtig ist Euch dieser Old-School-Faktor?
Nur das Demo erschien auf Tape, die EP nicht. Da wir analog aufnehmen, hantieren wir sowieso ständig mit Tapes, doch erschien uns dieses Format für die Öffentlichkeit als ungeeignet, weshalb wir beides zusammen nochmals auf CD rausbrachten. Der Old-School-Faktor wird meiner Meinung nach nicht über den Datenträger definiert: Es soll ja so lachhafte Kandidaten geben, die zwar digital aufnehmen, aber der vermeintlichen Authentizität wegen das Ganze auf Tape veröffentlichen! So was ist einfach nur gekünstelter Verhältnisblödsinn Ich könnte mir für die Full-Length sehr gut vorstellen, eine Vinyl-Veröffentlichung zu machen, jedoch ist dies auch eine finanzielle Frage und diesbezüglich wäre ein Labeldeal klar von Vorteil. Was den Untergang des Mediums CD betrifft: Man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben, Vinyl war auch schon mal totgesagt.
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Ghost Kommando |
Wie beurteilst Du rückblickend das Schaffen von Forgotten Chaos, sprich Eure beiden Alben „Victorious Among The Damned“ und vor allem das bärenstarke „Golden Rules Of The Underground“?
Ich bin auf beide Alben sehr stolz, so wie ich das auf mein gesamtes musikalisches Schaffen bin, sei es nun mit Bestial Torment oder Forgotten Chaos. Während jedoch „Victorious Among the Damned“ ein paar spielerische Schwächen aufweist, bin ich bei den „Golden Rules of the Underground“ nicht hundertprozentig mit der Produktion zufrieden. Die Kompositionen sind aber immer noch absolut gelungen aus meiner Sicht und auch visuell betrachtet überzeugen beide Alben auf ganzer Ebene.
Forgotten Chaos gingen ja zu einem ungünstigen Zeitpunkt auseinander, als das starke zweite Album veröffentlicht wurde und Ihr zahlreiche Konzerte gegeben habt. Ärgert man sich da noch darüber oder habt Ihr damit abgeschlossen? Eine Reunion steht momentan nicht zur Diskussion, nehme ich an?
Nein, es gibt kein böses Blut. Ich treffe mich mit allen ehemaligen Bandmitgliedern nach wie vor regelmässig und wir unterstützen uns bei Gelegenheit auch gegenseitig. Eine Reunion ist nicht geplant, aber wer weiss, vielleicht spielen wir in ein paar Jahren mal ein Konzert zusammen, den alten Zeiten zu liebe und weil wir einen guten Ruf als Live-Band hatten. Eine weitere Forgotten Chaos Scheibe schliesse ich ber mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus, da alle Ex-Mitglieder musikalisch ausgelastet sind und alles Nötige gesagt wurde.
Total Carnage nennt sich ein weiteres Projekt des Kommandanten. Was hat es damit auf sich?
Ich entwickle zurzeit das Konzept des zweiten Demos „Cultural Warfare“ und habe bereits zwei Textfragmente namens „Unlimited Enemies“ und „The Apokalyptron“ in meiner Arbeitsmappe. Musikalisch wird aber jedoch die Spontanität entscheidend sein, so wie ich das bei „Operation Endzöne“ bereits gemacht habe, der Moment muss stimmen. Auf jeden Fall wird es wieder roh und brutal, Total Carnage ist 100% Street Credibility!!!
Mich würde es interessieren, was Du als eingefleischter Szenehase über die Entwicklung der Schweizer Extrem Metal – Landschaft denkst und wie Du die Entwicklung der vergangenen Jahre beurteilst.
Die aktuelle Schweizer Metalszene vermag es kaum, mich zu inspirieren. Nichtsdestotrotz kenne ich diverse andere Musiker, die ich schätze und respektiere, vor allem wenn jene ein eigenständiges Konzept verfolgen, auch wenn es nicht wirklich meins ist. Aber schlussendlich kocht hierzulande doch jeder sein eigenes Süppchen und orientiert sich dabei an der internationalen Bühne. Unsere nationalen Helden WAREN Hellhammer/Celtic Frost, Messiah, Fear of God, Coroner, Samael und noch ein paar unbekanntere Bands aus den späten 80ern und frühen 90ern wie Mordor, Nergal, Misery und Bloodstar (first album!). Das Comeback von Krokus hingegen ist immerhin amüsant.
Es folgen ein paar Stichworte...
Comeback-Alben von Beherit & Burzum:
„Belus“ ist ein grossartiges Album, welches ich in der Form nicht erwartet hatte. „Engram“ beginnt stark, entwickelt gegen Schluss aber ein paar Längen. Sowohl Burzum wie auch Beherit sind ihrem Stil jedoch absolut treu geblieben und rotieren des Öfteren in meiner Stereoanlage.
Internet-Foren:
Das Internet ist nicht mehr wegzudenken, man sollte dieses Medium aber nicht überbewerten. Ich für meinen Teil bin einfach froh, dass ich die Zeit vor dem Internet noch mitbekommen habe, da unsere Generation sich ihren Background noch hart erarbeiten musste, während man dies heute mittels Mausklick tut.
Orthodoxe Strömungen im Black Metal:
Ich weiss nicht so recht, was unter „orthodoxen Strömungen“ im Black Metal zu verstehen ist. Das tönt für mich so nach Ostblock-Christentum. Aber wenn die Songs gut sind und der Spirit stimmt, warum nicht?
Die Bedeutung der Plattform MySpace:
Eine praktische Sache für jeden Musiker, der nicht über advanced IT-Skills verfügt und eine gute Möglichkeit zur Vorrecherche aus der Sicht eines Konsumenten.
Revival des primitiven Black/Thrash Metal im Untergrund:
Black Thrash ist ein Stil, welcher bereits Ende 90er seinen kreativen Zenit überschritten hatte. Die frühen Alben von Aura Noir, Nocturnal Breed und Desaster waren absolut erfrischend zu der Zeit, danach folgte mindere Qualität. Ich kann grundsätzlich nichts mit Bands anfangen, deren Mitglieder einen Zeitgeist feiern, den sie nicht mal ansatzweise mitbekommen haben und deshalb auch nicht begreifen können.
Letzte Worte, Grüsse, Beschimpfungen oder Weisheiten dürfen an dieser Stelle abgelassen werden.
Besten Dank an unsere Supporter: Ihr wisst, wer ihr seid.
Ich bedanke mich für das Gespräch!