FORTID "Völuspa Part III: Fall Of The Ages" (2010)

1. Ancient Halls (Fornir Salir)
2. Ragnarök Army From The East (Austursins Heimsenda Her)
3. Fall Of The Ages (Fall Aldanna)
4. Equilibrium Reclaimed (Jafnvaegi Endurheimt)
5. New Dawn (Ny Dögun)
6. Heltekinn
7. The Future (Framtid)

(44:45/ Schwarzdorn Productions)

Der Blick aufs Cover verheisst nichts Gutes. Ebenso wenig die thematische Ausrichtung des dritten Albums der in Norwegen ansässigen Isländer Fortid. Skepsis beim Einlegen des Rundlings. Das bedeutungsschwangere Intro mit seinen spacigen Klängen lässt aber bereits aufhorchen. Und spätestens, als es mit „Austursins Heimsenda Her“ richtig losgeht, lösen sich sämtliche Zweifel in Luft auf, denn das roh produzierte Gebräu hat rein gar nichts mit dem üblichen Pagan-Kirmes-Mist zu tun, vielmehr ist hier die ursprüngliche Definition des Viking Metal angebracht, der mit seiner frostigen, harschen Grundhaltung in Richtung der grossartigen alten Enslaved tendiert, ergänzt um die Hymnenhaftigkeit von Kampfar und Thyrfing. Fantastische Melodien, mit Inbrunst dargebotene klirrende Passagen, ein Gefühl des Archaischen transportierend. Der Gesang im Black Metal-Bereich, ein giftiges Keifen. Die Musik gleichermassen verspielt und ungezügelt wie in der Tiefe absolut ernsthaft, gleichermassen gefühlvoll wie kämpferisch, inspiriert von der Völuspa, der wohl wichtigsten Schrift für die Asatrú-Literatur. Zahlreiche ruhige, besinnliche, sphärische, fast schon naturromantische Momente durchbrechen den Eispanzer. Monumentaler Klargesang, kraftvoll und energiegeladen. Treibende Gitarrensalven. Das Album klingt, wie wenn es Mitte der Neunziger Jahre erschaffen und aufgenommen wurde, und dieses Gefühl wird authentisch in die Neuzeit transportiert. Bravo.

Line-Up: Eldur (Gesang, Gitarre), Øystein Hansen (Gitarre), Rikard Jonsson (Bass), Daniel Theobald (Schlagzeug)

8,7/ 10