DARKMOON "Wounds" (2011)

1. The Sword
2. Rise Up
3. Conquistadors
4. Seki State
5. Where The Old Goods Sleep
6. Black Shell
7. Dead Cold World
8. Locked In
9. Sentence Divine

(45:31/ STF Records)

Manch einer mag über die Band höhnen, manch anderer mag die Band nicht (mehr) ernst nehmen. Was man bei aller Polemik nicht vergessen darf: Darkmoon, eines der Urgesteine des Schweizer Metal, ziehen ihr Ding seit Ewigkeiten durch, haben ihren Stil manifestiert und auf Zement gebaut und schauen trotz genereller, strikter Formeln hinsichtlich des Songwritings auch gerne mal über den eigenen Horizont hinaus. Auf dem neuen Album "Wounds", das den melodischen, manchmal angeschwärzten Death Metal des Quintetts fokussierter, gefestigter als auf dem Vorgänger zeigt, sind beispielsweise die Amon Amarth-Reminiszenzen der Vergangenheit komplett verschwunden, nicht aber das klassisch stampfende Riffing in Verbindung mit eingängigen Refrains wie auf "Rise Up", einer klassischen Darkmoon-Hymne. Dafür ist der Opener "The Sword" sowohl musikalisch als auch inhaltlich einer der giftigsten Darkmoon-Songs geworden. Dafür verströmt "Conquistadors" nicht nur dank des brillant inszenierten Mittelteils südländisches Flair. Dafür beschreitet Sänger Matthias hinsichtlich der Tonlage seines Gesangs neue Pfade und verlegt sein Agieren wiederholt in keifige, hohe Lagen. Dafür strahlt das melancholisch-zynische "Seki State" genau den im Text  auftauchenden angestauten trotzigen Zorn , genau die erdrückende Ohnmacht aus. Dafür erschallen auf "Wounds" insgesamt wohl die meisten Blastbeats auf einem Darkmoon-Album überhaupt. Dafür schleppt sich in "Where The Old Gods Sleep" das wohl zäheste Riff der Darkmoon-Geschichte (teilweise vor einer feinen Leadgitarre) durch die Botanik. Dafür zieht sich eine skandinavische Black Metal-Melodie durch das furiose "Dead Cold World". Dafür ist das mit einem Moonspell-Gedächtnisriff beginnende "Locked In" die beste Nummer seit "Black Domain". Dafür hat "Black Shell" einen unnachahmlichen, mitreissenden Groove. Einige Abstriche muss man nichtsdestotrotz machen, so ist es Produzent V.O. Pulver nicht gelungen, die Blasts adäquat in Szene zu setzen, teilweise versinkt alles im Chaos, was aufgrund von Laurents vorzüglicher Schlagzeugarbeit schade ist. Und das finale "Sentence Divine" fällt im Vergleich zum Rest des Albums deutlich ab und klingt ziemlich uninspiriert. Insgesamt aber überzeugt die auf "Wounds" präsentierte Qualität, und die Langzeitwirkung dürfte bei vorliegender Scheibe erheblich länger ausfallen als beim direkten Vorgänger "Apocalyptic Syndrome".

Line-Up: Matthias Borer (Gesang), Gianrichy Giamboi (Gitarre), Christian Waltert (Gitarre), Pascal Rechsteiner (Bass & Background Vox), Laurent Strack (Schlagzeug)

8,5/ 10