DARKESTRAH "The Great Silk Road" (2008)

1. The Silk Road
2. Inner Voice
3. Cult Tengri
4. Kara-Oy
5. The Last Step

(54:33/ Paragon Records)

Die so genannten Seidenstrassen, das sind Handelsrouten, die sich von Kontinent zu Kontinent erstreckten, sprich vom südlichen Mitteleuropa über Nordafrika bis hin ins tiefste Asien und die im Sinne eines Netzwerkes mit verschiedenen Abschnitten funktionierten, blackmetallisch zu vertonen, ist nicht unbedingt der gängige Usus. Darkestrah, ursprünglich Kirgisier, nun im deutschen Leipzig ansässig, haben sich dieser Herausforderung angenommen und ihre Musik entsprechend aufgewertet. So klingt der melodische Black Metal des Quartetts oftmals eindeutig orientalisch inspiriert und verschafft sich so ein gewisses Quantum an Eigenständigkeit. Vier epische Hymnen haben ihren Weg auf "The Great Silk Road" gefunden, und besonders "Cult Tengri" brilliert mit fantastischer Gitarrenarbeit und muss sich in Sachen Melodieführung auch vor Melechesh nicht verstecken. Trotz verschachteltem, detailverliebtem Aufbau und Elementen wie meditativen, schamanischen Percussion-Einlagen oder Cello-Intermezzi zünden die Songs sofort, was sicher auch an der explosiven Urgewalt liegt, mit denen beispielsweise das eröffnende "The Silk Road" das Blut des Hörers sofort in Wallung bringt. Zudem haben die vier Recken quasi die Lizenz für Endlos-Wiederholungen prägnanter, hypnotischer Riffs, die teilweise fast die klaustrophobische Atmosphäre von Burzums Referenzwerk "Hvis Lyset Tar Oss" erreichen, andere Abschnitte wie der Beginn von "Inner Voice" legen dann die heimischen, osteuropäischen Wurzeln des Quartetts offen und präsentieren sich quasi als kleiner Bruder von Nokturnal Mortums "Goat Horns". Während der inhaltliche Aspekt sehr schlüssig daherkommt und auch die Vertonung (produziert wurde "The Great Silk Road" im Kick-The-Flame-Studio von Disillusion-Kopf Vurtox) keine Wünsche offen lässt, wirken die Bandfotos dagegen eher amüsant, eine Mischung aus Wüstennomade und Black Metal-Krieger. Dies sei aber nur am Rande erwähnt und soll das monumentale Werk keinesfalls schmälern.

Line-Up: Kriegtalith (Gesang), Anti (Gitarre), Visc (Bass), Asbath (Schlagzeug), Resurgemus (Synths), Sharthar (Cello, Keyboard)

9/ 10