Metal
Forces Festival VIII mit
Tankard/ Jesus Chrysler Superskunk/ Tremors/ Davidian/ Dawn Of Disease
22.1.2005,
Lörrach, SAK Wasserwerk
Das kultige Metal Forces Festival geht
bereits in seine achte Runde, und wieder einmal hat es Veranstalter Daniele
Milizia geschafft, ein hervorragendes Billing auf die Beine zu stellen, das im
Laufe des Abends noch für einige Überraschungen sorgen wird. Zum ersten Mal
findet der Anlass nicht im alterwürdigen Burghof, sondern im Wasserwerk statt,
welches etwas mehr Platz bietet. Erst einmal wird aber einer Tradition
nachgekommen, denn das Konzert beginnt mit einer satten Verspätung, was die
bereits sehr zahlreich versammelten Anwesenden aber locker nehmen.
Dann geht’s aber los, und die Osnabrücker Dawn Of Disease entern ohne
Soundcheck die Bühne. Obwohl der Sound zu Beginn ziemlich schlecht ist und die
Gitarren kaum auszumachen sind, gibt die Band Vollgas, und ihr
Uptempo-Death-Metal mit amerikanischen Einflüssen, manchmal simpel, manchmal
technisch, kommt gleich bestens an und die ersten Matten werden geschüttelt. Sänger
Thomas legt sich entsprechend ins Zeug und erinnert vom Stageacting her manchmal
an Corpsegrinder von Cannibal Corpse. Der Schwerpunkt des Sets liegt ganz klar
auf der Debüt-Mini-CD von Dawn Of Disease mit dem klingenden Namen „Through
Bloodstainded Eyes“, von der sämtliche Songs gespielt werden. Obendrauf
gibt’s noch das neue „Fried Genitals“, das ebenfalls hervorragend
aufgenommen wird. Der Applaus ist warm und laut, und nach dem starken „Reincarnation“
ist nach einer halben Stunde auch schon wieder Schicht um Schacht. Starker Gig,
und Dawn Of Disease müssen wiederkommen - allerdings mit besserem Sound.
Setlist
Dawn Of Disease
Through Bloodstained Eyes
Cut Per Cut
Sadistic Ejaculation
Rape The Unborn
Lust Auf Morden
Realies (Realize The Lies)
Fried Genitals
Reincarnation
Schon während Davidian ihre Instrumente umschnallen werden sie von der hungrigen Meute angefeuert, und folgerichtig wird ihr Gig ein einziger Triumphzug. Treibenden, modernen Thrash Metal mit Machine-Head-Anleihen hat sich die Band auf die Fahne geschrieben, und dieser Sound geht gleich total in die Beine und der erste Moshpit formiert sich vor der Bühne, in dem es auch recht heftig zu und her geht, vor allem die Metal Maniacs Markgräflerland machen eine Menge Stimmugn. Davidian selbst sind offenbar überrascht über die super Stimmung, geben dann aber logischerweise Vollgas und sorgen für pausenloses Headbanging. Obwohl ich selbst kein allzugrosser Freund von modernem Metal bin, gefallen mir Davidan richtig gut, was auch an der Stimme des Sängers liegt, der von der Tonlage wie ein junger James Hetfield rüberkommt. Ausfälle in der Setlist gibt’s keine, ist aber auch schwierig bei 7 Songs. Die dreissig Minuten fliegen regelrecht vorüber, und das als Zugabe dargebotene Machine Head-Cover „Davidian“ setzt dem Ganzen dann noch die Krone auf. Ein sackstarker Auftritt und die erste handfeste Überraschung des Abends!
Setlist
Davidian
Religious Exploitation
Revenge Be Mine
Entertainment
Let Us Rise
Davidian Massacre
Feelings Of Anger
Davidian (Machine Head-Cover)
Können Tremors diese Stimmung halten? Sie
können! Die Hütte ist nun richtig voll (ca. 360 Leute sind anwesend, darunter
Prominenz von Destruction und Umount) und ein Durchkommen vor die Bühne
gestaltet sich als unmöglich. Das Sextett bangt von der ersten Minute an wie
ein Mann, und die meistens im Midtempo gehaltenen Kracher bieten sich dafür
auch bestens an. Brutale Härte paart sich mit diffusen und sanft eingeschobenen
Keyboards, die der Musik einen kalten Anstrich verpassen, während sich Sänger
Christian die Seele aus dem Leib brüllt, kreischt und schreit, wenn er nicht
gerade seine beeindruckende Matte in Bewegung hält. Der Bassist ist der ruhige
Pol der Band und eher unauffällig, während der Drummer ein sattes Pfund drauf
hat und ordentlich auf sein Kit einprügelt. Die Mischung aus melodischem,
eiskaltem Death Metal und Black Metal-Einsprengseln kommt hervorragend an, so
dass sich die Band das eine oder andere zufriedene Grinsen nicht verkneifen
kann. Einen brandneuen Song mit dem Titel „Mental Massacre“ wird einem auch
noch geboten, und erneut geht die Sache viel zu schnell zu Ende. Tremors wollen
bereits die Bühne verlassen, aber nix da, die Band wird gnadenlos zurückgebrüllt
und zurückgepfiffen, und als Zugabe gibt’s die kurze Brutal Death
Metal-Nummer „Fire Of Awakening“, die das bisherige Highlight des Abends
beendet. Tremors hatte ich überhaupt nicht auf der Rechnung, aber die Band hat
es definitiv verdient, zum zweiten Mal auf dem Metal Forces Festival spielen zu
dürfen. Geile Sache, und diese Band sollte man im Auge behalten, denn hier ist
eine Menge Death/ Black Metal-Potential vorhanden!
Setlist
Tremors
Intro
Slow Down
Outburn
Killing Aggression
From Below
Mental Massacre
Hypocrites
Down In The Grave
Eternal Question
Suicide
Fire Of Awakening
Die nun folgenden Jesus Chrysler Superskunk
sind ebenfalls bereits zum zweiten Mal dabei. Mit ihrer Mischung aus Thrash
Metal und Stoner Rock hat die Band heute Abend die Aussenseiterrolle inne, zieht
aber eine kompetente Show vom Leder. Bereits beim ersten Song knalle Pyros, und
die Band um Ex-Destruction-Schlagzeuger Sven Vormann und Ephemera’s Party-Sänger
Thomas (noch einer...) geht voll aus sich raus und glänzt mit einer
ohrenzerfetzenden Lautstärke. Die Stoner-Anteile beschränken sich live auf ein
Minimum, und die Folge ist ein riesiger und gnadenloser Moshpit vor der Bühne,
der auch bald die ersten Opfer fordert. Thomas hat einige obskure Ansagen drauf
und die ganze Show ist auf ihn fokussiert, während der Bassist seine 6 (!)
Saiten laut dröhnen lässt. Mit der Zeit verlassen mehr und mehr Leute den
Raum, aber Jesus Chrysler Superskunk lassen sich davon nicht beirren und spielen
einfach weiter, und auch eine Zugabe wird ihnen gewährt, nachdem Drummer Sven
an den Bühnenrand gekommen ist und sich über das Mikrofon freundlich erkundigt
hat, ob man noch einen spielen dürfe. Zum Abschluss gibt’s noch links und
rechts Feuer auf der Bühne, und obwohl am Ende nicht mehr viele Leute anwesend
waren, darf die Band den Gig als gelungen verbuchen.
Setlist
Jesus Chrysler Superskunk
Mountain King (Intro)
Loudest No
MT Head
Dschihad
No One Knows My Name
Endtime Music
Spit A Prayer
Fighting Day
I&I United
Revolution
Fear Freedom
Und dann folgt eine Institution, eine der
grössten und besten Party-Bands der deutschen Metal-Szene: Die Alcoholic
Thrasher von Tankard. Bereits während dem Intro steht das Wasserwerk Kopf, und
als Gerre dann seinen stattlichen Vorbau auf die Bühne schiebt und gleich anfängt
zu headbangen und Luftgitarre zu spielen, kennt die Begeisterung keine Grenzen
mehr. Thrash-Knaller wie „Need Money For Beer“, “Space Beer” oder die
neueren “Slipping From Reality” und “Rectifier” bringen den Saal zum
Kochen und erneut tobt vor der Bühne der Moshpit. Gerre ist gut drauf, albert
herum, outet sich als Fussfetischist, merkt an, dass das Publikum doch ziemlich
intellektuell sei, nachdem eine Alkoholleiche irgendetwas Sinnloses ins Mikro
gebrabbelt hat, leert beinahe alleine einen Kaste Bier und läuft munter auf der
Bühne hin und her. Während des Gigs steigt einmal noch Lord Born von den Metal
Maniacs Markgräflerland auf die Bühne und präsentiert sein nicht zu kleine
Bierweste. Nicht schlecht... Das Mikro stinkt offenbar nach den ersten Songs
bereits derart, dass es auf Gerres Wunsch hin ausgewechselt werden muss. Aber
auch der Rest der Band gibt alles, schade nur, dass die Band erst um ein Uhr
morgens auf die Bühne ging und somit viele Zuschauer bereits vorzeitig den
Heimweg antreten. Die Verbliebenen mobilisieren dafür die letzten Kräfte und
bekommen knallharte Thrash Metal-Hammersongs wie „Die With A Beer In Your
Hand“, „Freibier“ oder „New Liver Please“ („Der einzige Song von
uns, der ernsthaft ist und sich nicht ums Saufen dreht!“ – Gerre) serviert,
und natürlich müssen die Frankfurter auch für Zugaben auf die Bretter zurück,
und „Alien“ und „(Empty) Tankard“ schrauben den Party-Faktor nochmals in
die Höhe, ehe sich die Band sichtlich erschöpft vom Publikum verabschiedet.
Wer nicht dabei war, hat definitiv etwas verpasst.
Fazit: Die Reise nach Lörrach hat sich definitiv gelohnt, nur der Zeitplan
sollte nächstes Mal etwas besser eingehalten werden. Ansonsten: Beide Daumen
hoch, und man sicht sich an der neunten Ausgabe des Metal Forces Festival...
Setlist
Tankard
Need Money For Beer
The Morning After
Zombie Attack
Slipping From Reality
Queen Of Hearts
Space Beer
New Liver Please
Maniac Forces
Die With A Beer In Your Hand
Nation Over Nation
Dancing On Our Grave
Alcohol
Don’t Panic
Rectifier
Beyond The Pubyard
Freibier
Chemical Invasion
Poison
Alien
(Empty) Tankard
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